Sammelsurium zu Liebe, Sex & Beziehung
Selbstwertgefühl & Liebe
Was das Thema “Konkurrenz in Person des eigenen Partners” angeht, so ist das eine Frage, an welchem Maßstab man sein eigenes Selbstwertgefühl eigentlich misst. Baut man es darauf auf, dass man unbedingt besser sein muss als andere, und macht sich somit von anderen abhängig, weil man dann im Endeffekt den eigenen Wert von seinem Verhältnis zu jemand anderem, etwas, was man gar nicht kontrollieren kann, herleitet? Oder macht man den eigenen Wert daran fest, dass man zwar vllt. in manchen Dingen nicht besser ist als andere, aber man doch immerhin im Rahmen seiner eigenen Möglichkeiten seine Potentiale voll ausschöpft und so gut ist wie man sein kann, quasi 100% gibt?
Ich glaube, letzteres ist ein Ausdruck von echtem Stolz und Selbstwertgefühl, und ersteres nur eine Form von Arroganz - die ja immer auch Schwäche ist. Ein Mensch mit echtem Selbstwertgefühl lässt sich nicht unter Druck setzen, wenn ein anderer besser ist; er ruht ganz in sich selbst und kann daher andere sogar für ihre Stärken bewundern, schätzen, lieben - als Inspiration und Vorbild nehmen.
“Show me your achievement, and it will give me courage for mine.” (Ayn Rand)
* * * * *
Zwischenfrage: kann man diese selbstsicherheit aber auch in der praxis aufrechterhalten, oder ist dies nur auf theoretischer ebene möglich? kann mann sich selbst als so optimal im rahmen der eigenen möglichkeiten empfinden, dass man nicht verletzt werden kann? und benötigt man in diesem fall dann eigentlich noch den partner, ist man noch in der lage diesen zu lieben?
Meine Antwort: Ich denke schon, dass man diese Selbstsicherheit erwerben kann, aber man muss sie eben tatsächlich erwerben; sie kommt nicht von alleine, und sie bleibt auch nicht ewig, wenn man nicht kontinuierlich etwas dafür tut. Nathaniel Branden erklärt das in “Psychology of Self-Esteem” sehr schön.
Was das Verletzen angeht: Natürlich kann auch ein so selbstbewusster Mensch enttäuscht und verletzt werden, aber er unterscheidet sich wohl von einem selbstschwachen Menschen dadurch, dass sein Schmerz nur bis zu einem gewissen Punkt geht, aber niemals den Kern seiner Seele berührt, er also die Zuversicht behält, dass dieses Leid nicht das ist, was das Leben eigentlich ausmacht, sondern dass er sich noch immer Hoffnungen auf Erfolg und Glück im Leben machen kann. Glück, nicht Schmerz, ist der Normalzustand des Menschen — das glaubt jedenfalls ein Mensch mit ausgebildetem Selbstwertgefühl.
Einen Partner benötigen… Nunja, er benötigt einen Partner sicherlich nicht als eine Instanz, die er nur ausnutzt, um seine Unsicherheiten zu überspielen. Das ist aber auch nicht so der Sinn einer Beziehung. Ich glaube, dass jeder Mensch ein psychologisches Bedürfnis hat, sich sichtbar zu fühlen, d.h. Menschen zu treffen, in denen sich seine Werte und sein Lebensgefühl in geringerem oder größerem Ausmaß konkret widerspiegeln. Sprich: Er hat das Bedürfnis, sich verstanden zu fühlen; den Eindruck zu haben, dass er nicht der einzige ist, der so denkt und fühlt. Und es bereitet ihm natürlich Vergnügen, Menschen zu sehen, die diese Dinge teilen, und vllt. auch die Eigenschaften besitzen, die er als besonders wichtig und gut betrachtet. Menschen, die solche “Tugenden” haben, die schätzt er dann, bewundert sie, schließt mit ihnen Freundschaft und verliebt sich vllt. sogar in sie — weil sie so völlig seinem Lebensgefühl, seiner Sichtweise, wie das Leben sein sollte, entsprechen. Und ich denke, dass ein starkes Selbstwertgefühl sehr wichtig ist, um das in vollem Maße zu können, und genießen zu können. Man muss seinen eigenen Standpunkt kennen, bevor man zu anderen in gleichberechtigte Beziehung treten kann. “To say ‘I love you’, one first must know how to say the ‘I’.” (Ayn Rand) … Und ich denke schon, dass einem sonst auch die persönliche Souveränität abgeht, ohne die es nicht wirklich geht. Wer die ganze Zeit nur Angst darum hat, was der andere von einem denkt und wie man es ihm denn recht machen könnte, der vermasselt es am Ende nur, weil er unsicher wirkt, seine Persönlichkeit nicht wirklich entfaltet, und einfach nicht als ein echtes Gegenüber in Erscheinung tritt, sondern eher etwas langweilig oder gar nervig wirkt. Das ist dann natürlich eher unattraktiv.
Rolle von Körper und Charakter
Ich denke, wenn man eine Beziehung anstrebt, oder in einer Beziehung ist, dann möchte man ja auch, dass man attraktiv für den Partner ist, wovon dann ja beide Seiten profitieren. Insofern halte ich es schon für wichtig, dass man — sich und seinem Partner zuliebe — mindestens auf eine schlanke Linie und ein gepflegtes Äußeres achtet.
* * * * *
Für mich ist der Charakter das entscheidende, auch wenn der Körper natürlich eine gewisse, und auch legitime Rolle spielt. Ich bin nicht so der Fan von platonischer Liebe, der die körperliche Seite völlig egal ist, solange nur der Geist stimmt, und ich glaube auch nicht, dass irgendjemand wirklich in der Lage ist, so einer Idee gerecht zu werden. Ich bin für eine Liebe, die auch (!) körperbetont ist, ohne den Körper zum einzigen Kriterium zu erheben.
Ich bin für eine Harmonie von Leib und Seele, und dagegen, eines von beiden zum alleinigen Kriterium zu machen.
* * * * *
Zumal es völlig verfehlt wäre, menschliche Schönheit allein auf das Äußere zu verkürzen. Der Mensch ist nicht nur ein Stück Fleisch; er hat auch ein Bewusstsein, das soetwas wie Charakter ausbildet. Was nutzt die größte äußere Schönheit, wenn man charakterlich eine Null ist? Ist sojemand wirklich schön als Mensch? Wohl eher nicht. Zu wahrer Schönheit gehört auch immer ein schöner Charakter.
Und abgesehen davon, dass man dem Äußeren ja durch Kleidung, Frisur und ähnliches doch in einem sehr starken Maße nachhelfen kann, muss man auch schlicht und ergreifend einmal festhalten, dass äußerliche Defizite durch einen schönen Charakter in Form von Charisma und Charme in einem nicht unbedeutenden Rahmen wettgemacht werden können. Umgekehrt kann man das wohl eher nicht sagen.
* * * * *
Frage: aber wie würdet ihr reagieren, wenn der potentielle partner (charakterlich soll er bis hierhin als sehr attraktiv gelten) euren körper, bzw. teile davon ablehnend beurteilt?
Meine Antwort: Nunja, das käme sicher auf den Kontext an. Wenn es nur um Kleinigkeiten geht — ein bischen Sport, ne etwas frischere Frisur oder ein bischen modischer; das ist sicher nicht Gravierend und sicherlich drin.
Wenn er aber mich körperlich ablehnt, und nur eine “platonische Beziehung”, evtl. mit Freifickschein haben will, dann disqualifiziert er sich m.E. charakterlich völlig, und ist für mich dann auch nicht weiter attraktiv, egal welche Vorzüge er sonst haben mag. So ein Vorschlag würde mir jedenfalls demonstrieren, dass er im Bereich “Liebe” irgendetwas sehr zentrales überhaupt nicht verstanden hat. Mit so jemandem kann man keine Beziehung führen, oder glücklich werden.
Etwas anderes ist es natürlich, wenn er so einen Vorschlag auf eine Beziehung hin nicht macht, sondern schlicht und ergreifend feststellt, dass er mich körperlich nicht attraktiv findet und sich deshalb keine Beziehung vorstellen kann. Soetwas kann ich im Prinzip akzeptieren. Es wäre zwar vllt. schade, aber dann ist möglicherweise ja noch eine gute Freundschaft drin.
Allerdings muss man wohl auch das dahingehend modifizieren, dass sich natürlich die Frage stellt: Warum genau lehnt er mich körperlich ab? Und wenn das dann aufgrund irgendwelcher Dinge ist, die objektiv wenig bedeutend sind im Vergleich zu dem, was in einer Beziehung emotional möglich wäre (nach dem Motto: “Unter 20 cm geht bei mir nichts, egal wie sehr Du sonst mein Traummann bist”)– dann würde das wohl doch eher wieder in Richtung dickes Charakterdefizit deuten.
Wie gesagt, es hängt doch sehr stark vom Kontext ab.
Rolle des Alters
Ich denke, das Alter wäre allenfalls insofern von Relevanz, als dass man vernünftigerweise zumindest davon ausgehen könnte, dass Menschen mit ähnlichem Alter über ähnliche Lebenserfahrung und -umstände verfügen, ggf. also eher auf der eigenen Wellenlänge schwimmen. Das muss natürlich nicht so sein, und ich denke, es gibt auch viele Ausnahmen. Ich denke, dass Attraktivität zweier Personen für einander zu einem wichtigen Teil durch die geistige Reife bzw. den geistigen Entwicklungsstand beider Personen bedingt ist, und deshalb jemand, der vllt. 40 und geistig recht stark entwickelt ist, mit einem 20jährigen — auch wenn er körperlich anziehend sein mag — insgesamt nicht so viel anfangen kann, weil da einfach das für den 40jährigen nötige Maß an Reife und Lebenserfahrung noch fehlt. Ähnliche Probleme könnte vllt. auch ein 20jähriger haben, der im Vergleich zu seinen Altersgenossen ungewöhnlich “weit” in der Entwicklung ist.
Ansonsten denke ich, dass das Alter, neben dem geistigen Aspekt, auch in körperlicher Hinsicht eine Barriere sein kann, insofern nämlich, als dass für einen jungen Menschen ein anderer Mensch ab einem gewissen Alter einfach körperlich unattraktiv ist, was m.E. ein legitimer Grund ist, selbst bei großer geistiger Affinität eine Beziehung in jedem Fall auszuschließen, und stattdessen nur bei einer guten Freundschaft zu bleiben.
Monogamie und “offene Beziehung”
Ich denke, Monogamie ist, gerade wenn man Single ist, in erster Linie eine persönliche Einstellung. Man bringt den Anspruch mit sich, nicht mit jedem x-beliebigen, den man gerade mal kennengelernt hat, ins Bett zu gehen, sondern sucht nach jemandem, der es wirklich wert ist, den man entsprechend vorher etwas kennenlernen möchte, und der vom Prinzip her auch geeignetes boyfriend material wäre. Also Monogamie als eine Einstellung, die letztlich auf Begründung und Erhalt einer romantischen Beziehung ausgerichtet ist.
Ich persönlich bin sehr skeptisch, was das “Erweitern” angeht. Eine Beziehung erfordert sehr viel Vertrauen, weil es in ihr ja um die intimsten Gefühle beider Partner geht, um ein Teilen der intimsten und wichtigsten Werte bis hin zur Essenz der eigenen Seele. Da braucht man Vertrauen, dass man dem Partner das alles anvertrauen und offenbaren kann, weil sich sonst das Gefühl, für den anderen so völlig sichtbar zu sein, nicht einstellt. Und so ein Vertrauen muss eben mühsam aufgebaut und kontinuierlich unterhalten werden. Das geht nicht, wenn man den Sex, der ja nun wirklich ein Zeichen von unglaublicher Intimität und emotional extrem aufgeladen ist, auch mit irgendwelchen anderen unterhält, denen man nicht derart nahe steht. Dadurch entwertet man nicht nur den Sex, sondern bringt auch gegenüber dem Partner zum Ausdruck: “So besonders intim sind wir gar nicht.” Und das verletzt den anderen ganz massiv in seinem Sichtbarkeitsgefühl, in seinem Vertrauen.
Man kann nun behaupten: Ja, okay, aber was ist denn, wenn beide einverstanden sind? Naja… Sagen wir es so: Man kann sich auf sehr viel einigen, und man kann sich auch sehr viel einreden, aber am Ende kommt es doch weniger auf die Worte an, als auf die Taten. Und wenn man behauptet, man wäre in einer intimen Liebesbeziehung, gleichzeitig aber so handelt, als wäre man es nicht, dann ist das ein Widerspruch, den der eigene Kopf natürlich registriert — und irgendwann entlädt sich dieser Widerspruch dann ganz hässlich. Ich persönlich habe jedenfalls häufig gehört, dass Eifersucht in “offenen Beziehungen” durchaus ein massives Problem ist, und dass diese auch nicht lange halten, ausser bei Leuten, von denen ich eher den Eindruck habe, dass sie charakterlich-emotional etwas verkrüppelt sind…
Insofern würde ich auch sagen: Wenn der Sex langweilig ist, dann hat man in der Beziehung etwas falsch gemacht, und sollte entweder versuchen, sich wieder intensiver drum zu kümmern, oder getrennte Wege gehen. Eine “Öffnung” der Beziehung kommt ihrer Auflösung gleich.
2 comments April 14, 2008