Posts filed under 'Ethics'

Emergencies and Range of Tolerance

I find it quite interesting to try to understand what an emergency situation is by means of a biological approach. In German, there is a word called “Toleranzbereich”. I do not know what the technical term is in English, but it could be roughly translated as “range of tolerance”. This concept denotes the physical or environmental circumstances in which an organism, given its particular physiological and psychological needs and its particular capacities for fulfilling these needs, is able to function and thrive. For example, a fish, by its nature, needs to live in water. It cannot survive on land because it does not have the capacities to adapt itself to the conditions on land so that it can still fulfill its needs. Man, too, is an organism with a specific range of tolerance. His environment must be structured in a specific way for him to be able to function properly.

An emergency is a situation where the conditions under which an organism, e.g. man, can live and flourish are no longer the case. Therefore, I would argue that what an emergency is can be best understand by reference to the concept of “range of tolerance”: Everything that falls into this range of tolerance are an organism’s normal conditions of living; everything that falls outside of this range would constitute an emergency.

The interesting thing about man is that he has the power to reshape the world according to his needs, i.e. he has the power to bring the world/his environment into his specific range of tolerance. However, this also means that he can do the opposite: He can reshape the world so that it will be inimical to his needs, that it falls outside of his range of tolerance. Man can create “artificial” emergencies, such as totalitarian dictatorships or wars.

The primary purpose of the science of ethics is to define principles according to which the volitional being “man” has to use his capacities for action in order to satisfy his needs under normal conditions, because he, by definition, is unable to survive (at least in the long-range) under any other circumstances. This is (1) why ethical guidance in emerency situations is difficult, if not outright impossible, because man’s capacities for action are wholly inadequate for such situations, and (2) why the only proper ethical principle applicable in an emergency situation is: restore normal conditions, i.e. do everything to return into your specific range of tolerance, as soon as possible.

It is, as a concluding sidenote, pretty interesting that man’s mode of life/survival — a mode of life/survival is an organism’s application of its specific capacities for action to satisfying its specific physiological and psychological needs — includes the expansion of the actual existence (or prevalence) of the normal conditions of his survival. Which means: Reshaping his environment so that it falls into his specific range of tolerance is not something man somehow does along the way, as a secondary issue besides surviving, but it forms a core part of his specific mode of life.

It must be added, however, that this is a relatevely new approach for me; and thus my position is still preliminary. There is still some thinking to do, e.g. concerning the status of things like heart-attacks which, too, pose an emergency to the organism, but arguably not due to environmental or outside circumstances where the organism’s capacities for satisfying its needs prove inadequate, but rather because the organism loses some of these capacities and therefore can no longer satisfy its needs/pursue its specific mode of life.


3 comments May 3, 2008

Sammelsurium zu Liebe, Sex & Beziehung

Selbstwertgefühl & Liebe

Was das Thema “Konkurrenz in Person des eigenen Partners” angeht, so ist das eine Frage, an welchem Maßstab man sein eigenes Selbstwertgefühl eigentlich misst. Baut man es darauf auf, dass man unbedingt besser sein muss als andere, und macht sich somit von anderen abhängig, weil man dann im Endeffekt den eigenen Wert von seinem Verhältnis zu jemand anderem, etwas, was man gar nicht kontrollieren kann, herleitet? Oder macht man den eigenen Wert daran fest, dass man zwar vllt. in manchen Dingen nicht besser ist als andere, aber man doch immerhin im Rahmen seiner eigenen Möglichkeiten seine Potentiale voll ausschöpft und so gut ist wie man sein kann, quasi 100% gibt?

Ich glaube, letzteres ist ein Ausdruck von echtem Stolz und Selbstwertgefühl, und ersteres nur eine Form von Arroganz - die ja immer auch Schwäche ist. Ein Mensch mit echtem Selbstwertgefühl lässt sich nicht unter Druck setzen, wenn ein anderer besser ist; er ruht ganz in sich selbst und kann daher andere sogar für ihre Stärken bewundern, schätzen, lieben - als Inspiration und Vorbild nehmen.

“Show me your achievement, and it will give me courage for mine.” (Ayn Rand)

* * * * *

Zwischenfrage: kann man diese selbstsicherheit aber auch in der praxis aufrechterhalten, oder ist dies nur auf theoretischer ebene möglich? kann mann sich selbst als so optimal im rahmen der eigenen möglichkeiten empfinden, dass man nicht verletzt werden kann? und benötigt man in diesem fall dann eigentlich noch den partner, ist man noch in der lage diesen zu lieben?

Meine Antwort: Ich denke schon, dass man diese Selbstsicherheit erwerben kann, aber man muss sie eben tatsächlich erwerben; sie kommt nicht von alleine, und sie bleibt auch nicht ewig, wenn man nicht kontinuierlich etwas dafür tut. Nathaniel Branden erklärt das in “Psychology of Self-Esteem” sehr schön.

Was das Verletzen angeht: Natürlich kann auch ein so selbstbewusster Mensch enttäuscht und verletzt werden, aber er unterscheidet sich wohl von einem selbstschwachen Menschen dadurch, dass sein Schmerz nur bis zu einem gewissen Punkt geht, aber niemals den Kern seiner Seele berührt, er also die Zuversicht behält, dass dieses Leid nicht das ist, was das Leben eigentlich ausmacht, sondern dass er sich noch immer Hoffnungen auf Erfolg und Glück im Leben machen kann. Glück, nicht Schmerz, ist der Normalzustand des Menschen — das glaubt jedenfalls ein Mensch mit ausgebildetem Selbstwertgefühl.

Einen Partner benötigen… Nunja, er benötigt einen Partner sicherlich nicht als eine Instanz, die er nur ausnutzt, um seine Unsicherheiten zu überspielen. Das ist aber auch nicht so der Sinn einer Beziehung. Ich glaube, dass jeder Mensch ein psychologisches Bedürfnis hat, sich sichtbar zu fühlen, d.h. Menschen zu treffen, in denen sich seine Werte und sein Lebensgefühl in geringerem oder größerem Ausmaß konkret widerspiegeln. Sprich: Er hat das Bedürfnis, sich verstanden zu fühlen; den Eindruck zu haben, dass er nicht der einzige ist, der so denkt und fühlt. Und es bereitet ihm natürlich Vergnügen, Menschen zu sehen, die diese Dinge teilen, und vllt. auch die Eigenschaften besitzen, die er als besonders wichtig und gut betrachtet. Menschen, die solche “Tugenden” haben, die schätzt er dann, bewundert sie, schließt mit ihnen Freundschaft und verliebt sich vllt. sogar in sie — weil sie so völlig seinem Lebensgefühl, seiner Sichtweise, wie das Leben sein sollte, entsprechen. Und ich denke, dass ein starkes Selbstwertgefühl sehr wichtig ist, um das in vollem Maße zu können, und genießen zu können. Man muss seinen eigenen Standpunkt kennen, bevor man zu anderen in gleichberechtigte Beziehung treten kann. “To say ‘I love you’, one first must know how to say the ‘I’.” (Ayn Rand) … Und ich denke schon, dass einem sonst auch die persönliche Souveränität abgeht, ohne die es nicht wirklich geht. Wer die ganze Zeit nur Angst darum hat, was der andere von einem denkt und wie man es ihm denn recht machen könnte, der vermasselt es am Ende nur, weil er unsicher wirkt, seine Persönlichkeit nicht wirklich entfaltet, und einfach nicht als ein echtes Gegenüber in Erscheinung tritt, sondern eher etwas langweilig oder gar nervig wirkt. Das ist dann natürlich eher unattraktiv.

Rolle von Körper und Charakter

Ich denke, wenn man eine Beziehung anstrebt, oder in einer Beziehung ist, dann möchte man ja auch, dass man attraktiv für den Partner ist, wovon dann ja beide Seiten profitieren. Insofern halte ich es schon für wichtig, dass man — sich und seinem Partner zuliebe — mindestens auf eine schlanke Linie und ein gepflegtes Äußeres achtet.

* * * * *

Für mich ist der Charakter das entscheidende, auch wenn der Körper natürlich eine gewisse, und auch legitime Rolle spielt. Ich bin nicht so der Fan von platonischer Liebe, der die körperliche Seite völlig egal ist, solange nur der Geist stimmt, und ich glaube auch nicht, dass irgendjemand wirklich in der Lage ist, so einer Idee gerecht zu werden. Ich bin für eine Liebe, die auch (!) körperbetont ist, ohne den Körper zum einzigen Kriterium zu erheben.

Ich bin für eine Harmonie von Leib und Seele, und dagegen, eines von beiden zum alleinigen Kriterium zu machen.

* * * * *

Zumal es völlig verfehlt wäre, menschliche Schönheit allein auf das Äußere zu verkürzen. Der Mensch ist nicht nur ein Stück Fleisch; er hat auch ein Bewusstsein, das soetwas wie Charakter ausbildet. Was nutzt die größte äußere Schönheit, wenn man charakterlich eine Null ist? Ist sojemand wirklich schön als Mensch? Wohl eher nicht. Zu wahrer Schönheit gehört auch immer ein schöner Charakter.

Und abgesehen davon, dass man dem Äußeren ja durch Kleidung, Frisur und ähnliches doch in einem sehr starken Maße nachhelfen kann, muss man auch schlicht und ergreifend einmal festhalten, dass äußerliche Defizite durch einen schönen Charakter in Form von Charisma und Charme in einem nicht unbedeutenden Rahmen wettgemacht werden können. Umgekehrt kann man das wohl eher nicht sagen.

* * * * *

Frage: aber wie würdet ihr reagieren, wenn der potentielle partner (charakterlich soll er bis hierhin als sehr attraktiv gelten) euren körper, bzw. teile davon ablehnend beurteilt?

Meine Antwort: Nunja, das käme sicher auf den Kontext an. Wenn es nur um Kleinigkeiten geht — ein bischen Sport, ne etwas frischere Frisur oder ein bischen modischer; das ist sicher nicht Gravierend und sicherlich drin.

Wenn er aber mich körperlich ablehnt, und nur eine “platonische Beziehung”, evtl. mit Freifickschein haben will, dann disqualifiziert er sich m.E. charakterlich völlig, und ist für mich dann auch nicht weiter attraktiv, egal welche Vorzüge er sonst haben mag. So ein Vorschlag würde mir jedenfalls demonstrieren, dass er im Bereich “Liebe” irgendetwas sehr zentrales überhaupt nicht verstanden hat. Mit so jemandem kann man keine Beziehung führen, oder glücklich werden.

Etwas anderes ist es natürlich, wenn er so einen Vorschlag auf eine Beziehung hin nicht macht, sondern schlicht und ergreifend feststellt, dass er mich körperlich nicht attraktiv findet und sich deshalb keine Beziehung vorstellen kann. Soetwas kann ich im Prinzip akzeptieren. Es wäre zwar vllt. schade, aber dann ist möglicherweise ja noch eine gute Freundschaft drin.

Allerdings muss man wohl auch das dahingehend modifizieren, dass sich natürlich die Frage stellt: Warum genau lehnt er mich körperlich ab? Und wenn das dann aufgrund irgendwelcher Dinge ist, die objektiv wenig bedeutend sind im Vergleich zu dem, was in einer Beziehung emotional möglich wäre (nach dem Motto: “Unter 20 cm geht bei mir nichts, egal wie sehr Du sonst mein Traummann bist”)– dann würde das wohl doch eher wieder in Richtung dickes Charakterdefizit deuten.

Wie gesagt, es hängt doch sehr stark vom Kontext ab.

Rolle des Alters

Ich denke, das Alter wäre allenfalls insofern von Relevanz, als dass man vernünftigerweise zumindest davon ausgehen könnte, dass Menschen mit ähnlichem Alter über ähnliche Lebenserfahrung und -umstände verfügen, ggf. also eher auf der eigenen Wellenlänge schwimmen. Das muss natürlich nicht so sein, und ich denke, es gibt auch viele Ausnahmen. Ich denke, dass Attraktivität zweier Personen für einander zu einem wichtigen Teil durch die geistige Reife bzw. den geistigen Entwicklungsstand beider Personen bedingt ist, und deshalb jemand, der vllt. 40 und geistig recht stark entwickelt ist, mit einem 20jährigen — auch wenn er körperlich anziehend sein mag — insgesamt nicht so viel anfangen kann, weil da einfach das für den 40jährigen nötige Maß an Reife und Lebenserfahrung noch fehlt. Ähnliche Probleme könnte vllt. auch ein 20jähriger haben, der im Vergleich zu seinen Altersgenossen ungewöhnlich “weit” in der Entwicklung ist.

Ansonsten denke ich, dass das Alter, neben dem geistigen Aspekt, auch in körperlicher Hinsicht eine Barriere sein kann, insofern nämlich, als dass für einen jungen Menschen ein anderer Mensch ab einem gewissen Alter einfach körperlich unattraktiv ist, was m.E. ein legitimer Grund ist, selbst bei großer geistiger Affinität eine Beziehung in jedem Fall auszuschließen, und stattdessen nur bei einer guten Freundschaft zu bleiben.

Monogamie und “offene Beziehung”

Ich denke, Monogamie ist, gerade wenn man Single ist, in erster Linie eine persönliche Einstellung. Man bringt den Anspruch mit sich, nicht mit jedem x-beliebigen, den man gerade mal kennengelernt hat, ins Bett zu gehen, sondern sucht nach jemandem, der es wirklich wert ist, den man entsprechend vorher etwas kennenlernen möchte, und der vom Prinzip her auch geeignetes boyfriend material wäre. Also Monogamie als eine Einstellung, die letztlich auf Begründung und Erhalt einer romantischen Beziehung ausgerichtet ist.

Ich persönlich bin sehr skeptisch, was das “Erweitern” angeht. Eine Beziehung erfordert sehr viel Vertrauen, weil es in ihr ja um die intimsten Gefühle beider Partner geht, um ein Teilen der intimsten und wichtigsten Werte bis hin zur Essenz der eigenen Seele. Da braucht man Vertrauen, dass man dem Partner das alles anvertrauen und offenbaren kann, weil sich sonst das Gefühl, für den anderen so völlig sichtbar zu sein, nicht einstellt. Und so ein Vertrauen muss eben mühsam aufgebaut und kontinuierlich unterhalten werden. Das geht nicht, wenn man den Sex, der ja nun wirklich ein Zeichen von unglaublicher Intimität und emotional extrem aufgeladen ist, auch mit irgendwelchen anderen unterhält, denen man nicht derart nahe steht. Dadurch entwertet man nicht nur den Sex, sondern bringt auch gegenüber dem Partner zum Ausdruck: “So besonders intim sind wir gar nicht.” Und das verletzt den anderen ganz massiv in seinem Sichtbarkeitsgefühl, in seinem Vertrauen.

Man kann nun behaupten: Ja, okay, aber was ist denn, wenn beide einverstanden sind? Naja… Sagen wir es so: Man kann sich auf sehr viel einigen, und man kann sich auch sehr viel einreden, aber am Ende kommt es doch weniger auf die Worte an, als auf die Taten. Und wenn man behauptet, man wäre in einer intimen Liebesbeziehung, gleichzeitig aber so handelt, als wäre man es nicht, dann ist das ein Widerspruch, den der eigene Kopf natürlich registriert — und irgendwann entlädt sich dieser Widerspruch dann ganz hässlich. Ich persönlich habe jedenfalls häufig gehört, dass Eifersucht in “offenen Beziehungen” durchaus ein massives Problem ist, und dass diese auch nicht lange halten, ausser bei Leuten, von denen ich eher den Eindruck habe, dass sie charakterlich-emotional etwas verkrüppelt sind…

Insofern würde ich auch sagen: Wenn der Sex langweilig ist, dann hat man in der Beziehung etwas falsch gemacht, und sollte entweder versuchen, sich wieder intensiver drum zu kümmern, oder getrennte Wege gehen. Eine “Öffnung” der Beziehung kommt ihrer Auflösung gleich.


2 comments April 14, 2008

Ein wenig Sozialphilosophie.

Hier der Auszug eines philosophischen Chatgespräches, das ich vor einiger Zeit hatte.

——-

2. HeroicDreams 06.Feb. - 20:51
Zur Belustigung… oder so. http://www.chick.com/de/reading/tracts/1352/1352f_01.asp?distE0100

3. XXX 06.Feb. - 21:55
auch lustig:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,516532,00.html

phantastisch!

4. Heroic Dreams 06.Feb. - 21:58
Naja, ich muss ehrlich gesagt sagen, dass ich das politisch richtig finde. Auch wenn Holocaustleugnung moralisch natürlich abartig ist.

5. XXX 06.Feb. - 22:02
Ich finde es vollkommen falsch!
die Aussage ja rein historisch falsch (das ist ja auch nicht das Problem), aber es greift ziemlich die Menschenwürde an… und dafür hat man ja ne gewählte Regierung… wir haben vom AStA ja auch die AIDS-gibt es nicht Plakate verboten… weil wir diese Meinung für gefährlich hielten…

Das was da gezeigt wurde ist ein gefährliches Verständnis von Meinungsfreiheit…. aber da muss man klar schon aufpassen… ist ne Gradwanderung…

6. HeroicDreams 06.Feb. - 22:11
Naja, wenn man anfängt, gefährliche Meinungen zu verbieten, wer bestimmt dann, welche Meinungen gefährlich sind und welche nicht? Wo ist das objektive Kriterium, und wer kontrolliert das Ganze? Ich halte das für eine extrem gefährliche Sache. Ich habe nichts dagegen, wenn eine Einrichtung auf ihrem Gelände Regeln und Richtlinien erlässt, wie man sich auf diesem Gelände zu verhalten hat — was m.E. auch Einschränkung beim Aushang von Plakaten und der Vertretung bestimmter Ansichten einschließen kann (auch wenn es da Probleme gibt hinsichtlich der sog. akademischen Freiheit, die an einer Universität ja zumindest wünschenswert ist, und dem Umstand, dass die Uni ein Staatsbetrieb ist, theoretisch also in ihrer Verwaltungstätigkeit an die Grundrechte als Nichtzuverletzende gebunden ist, was den Möglichkeiten solcher Richtlinien doch Grenzen auferlegen mag). Aber bei mir persönlich klingeln immer die Alarmglocken, wenn der Staat sich in irgendeiner Form das Recht zugesteht, die Gedanken und Ansichten seiner Bürger inhaltlich zu beurteilen und ggf. zu verbieten, weil der Staat dann im Extremfall zu einem quasitheokratien Gebilde mutiert, dass beginnt, Dogmen zu proklamieren und mit Gewalt durchzusetzen. Und das sehe ich nicht nur beim Volksverhetzungsparagraphen, sondern z.B. beim Verfassungsschutz und den Verfassungsschutzberichten, die sich auch wunderbar als Instrumente zum Rufmord und zur behördlichen Fremdsteuerung unliebsamer Oppositionsparteien missbrauchen lassen.

7. XXX 06.Feb. - 22:14
Der Witz ist ja, es gibt kein Objektives Kriterium für Moral… Es gibt bestimmte Ansichten, die wir in der Gesellschaft teilen… in Hessen gibt es z.B. noch die Todesstrafe in der Verfassung… wenn morgen der Bund zusammenbrechen würde und die Hessische Verfassung also wieder gelten würde, glaubst du, da würde einer getötet werden?! Nee.. und warum? Weil die Meinung der Gesellschaft schwerer wiegt als die Verfassung… Das System der Gesellschaftlichen Konventionen ist natürlich schwierig, grad in Bezug auf Minderheitenrechte, aber ich finde, es hat trotzdem seine Berechtigung…

8. Heroic Dreams 06.Feb. - 22:27
Ich persönlich sehe das mit dem objektiven Kriterium für Moral anders. Zumal, wenn die Meinung des Mobs ohne Schranken herrscht (ein Zustand, den wir trotz allem gottseidank noch nicht völlig erreicht haben, da gewisse Reste des Rechtstaates sich beharrlich halten, auch wenn das BVerfG mit diversen Grunsatzurteilen schon gute Anstrengungen unternommen hat, die Grundrechte in ihrer Bedeutung zu verkehren und damit ihre Schutzfunktion aufzuweichen), dann gibt es auch kein Recht mehr. Wenn das Individuum sich nicht auf sein Recht berufen kann, und der Staat es nicht gewährleistet, sondern nach _Willkür_ handelt, und nur ein wenig Rücksicht darauf nehmen muss, wie viel die Untertanen sich gefallen lassen, bevor sie zu murren beginnen, dann ist für unsere Gesellschaft als eine freie der Ofen aus. Die kleinste Minderheit ist das Individuum; und wenn dessen Rechte vor der Mehrheit nicht sicher sind, dann sind Freiheit und Recht permanent bedroht. Deshalb widert mich eine ungezügelte Demokratie auch so an, weil sie im Prinzip die Antithesis der Freiheit ist. Demokratische Verfahrensweisen haben ihre Berechtigung nur in einem Rechtstaat, der der Macht der Mehrheit enge Grenzen setzt. Und ich persönlich möchte nicht daran denken, was in einem Gemeinwesen vor sich geht, das so komplett in allen Lebensbereichen durchpolisitiert (bissige Zungen würde von einer “totalitären Demokratie” sprechen) ist, dass alle über jeden bestimmen können. Sokrates ist nicht umsonst in Athen gestorben.

Moral bezieht sich auf das, was für das Leben und Gedeihen eines Menschen objektiv erforderlich ist. Und eine gute, moralische Gesellschaft ist diejenigen, die die Rahmenbedingungen dafür schafft, dass jedes Individuum sich die Werte erarbeiten kann, die sein Leben gedeihlich machen. Eine Gesellschaft, in der die Rechte des Individuums nicht mehr geschützt sind, sondern sich in Erlaubnisse verwandeln, die die Mehrheit jederzeit zurücknehmen kann, ist eine Gesellschaft, die menschenwürdiges ( im Sinne von: Menschen angemessenes) Leben zunehmend unmöglich macht, weil sie den Menschen die Freiheit, Werte durch eigene Arbeit und Tausch zu erwerben, nimmt, und damit ihre primäre Lebensgrundlage. Und an deren Stelle setzt sie dann einen vielschichtigen Komplex institutionalisierter, wechselseitiger Ausbeutungsverhältnisse… alle werden zu Sklaven von allen …

9. XXX 06.Feb. - 22:57
also ich glaube ja eigentlich nicht, dass ohne geschriebenes Recht ein Chaos ausbrechen würde… Dennoch halte ich das Recht und den Staat für notwendig… Der Staat als garant für Eigentum und den Schutz des Einzelnen und so…
Allerdings muss man aufpassen, dass sich das Recht nicht verselbstständigt, was es in Spanien getan hat meiner Meinung nach… Moral existiert immer nur in einem Gemeinschaftlichen Kontext… Unsere Vorstellung von Moral ist zwar mit Kant sehr schön ausgedrückt, diese legt auch nahe, dass es objektive Kriterien gibt, aber ich erlaube mir doch die Frage, ob nicht auch bestimmt Ansichten über Moral Kinder einer bestimmten Zeit sind und sich immer in Abgrenzung zu vorrangegangenen Epochen stellen… Natürlich hat das Recht eine gewisse zwingende Eigenschaft. Es stimmt aber mit den fundamentalen Grundsätzen mit unserer Moral überein. Was würdest du sagen, wenn die Religionsfreiheit zum Beispiel über die Menschenwürde gestellt würde, wie es mit der Meinungsfreiheit getan wurde? Irgendwo würde dann das Recht gegen deine Überzeugung sprechen… Das Recht ist ein Instrument der Gesellschaft… Die Gesellschaft ordnet sich unter, weil sie es für gut befunden hat.. aber das Recht bleibt für die Menschen da und die Menschen sind nicht für das Recht da… Es besteht die Möglichkeit, dass die Institution des Rechts korrumpiert und sich zu sehr löst von der Gesellschaft. Klar muss das Recht eine gewisse Distanz haben zur Gesellschaft, aber es stimmt doch mit den Grundüberzeugungen der meisten Leute überein… noch…

10. HeroicDreams 06.Feb. - 23:18
Ich bin kein Kantianer und halte Kants Ethik für lebensfeindlich, und den gesamten altruistischen Moralkomplex für politisch gefährlich. Dass Moral in erster Linie in einem gesellschaftlichen Kontext relevant ist, ist so ein Produkt des Altruismus, der Moral eben essentiell in Bezug auf die eigene Stellung zu anderen bestimmt — und dabei das eigene Leben als völlig irrelevant und amoralisch hinstellt, manchmal sogar als böse (und das steckt bei Kant m.E. implizit drin, bei allen seinen Abfälligkeiten gegen die Glückseligkeit und seine Forderung, Moral und das Streben nach Werten völlig voneinander zu trennen, und Tugend gegenüber ihrer Rolle im Leben zu verselbständigen, sie im Zweifelsfall sogar gegen das Leben selbst auszurichten). Ich gehe da eher mit den alten Griechen, die Moral als etwas betrachteten, was in erster Linie das eigene Leben betrifft, und einem Richtlinien gibt, wie man sein eigenes Leben zu organisieren hat, um zu gedeihen, Erfolg zu haben, glücklich zu werden. Zwischenmenschliche Beziehungen kommen darin vor, aber sie sind nicht der Grundstein der Ethik. Das Recht ist es schon eher, weil das Recht nämlich die Handlungsfreiheiten einzelner Individuen in einer Gesellschaft gegeneinander abgrenzt, und daher auch nur in sozialem Kontext erforderlich ist. Wo es keinen Konflikt zwischen Handelnden geben kann, ist Recht überflüssig, denn die Funktion des Rechts ist es eben, solche Konflikte friedlich zu lösen, d.h. eine Gesellschaft vor dem Bürgerkrieg zu bewahren (und, wenn ich mir die heutige Gesellschaft mit ihrem Privilegienschacher zu ansehe, dann muss ich an einen kalten Bürgerkrieg denken).

Ich glaube nicht, dass Recht oder Moral im Kern geschichtlich bedingt sind. Gewiss, variierende Rahmenbedingungen erfordern varrierende Anwendungen — aber die Prinzipien, die angewandt werden, bleiben doch immer gleich, denn im Kern bleibt der Mensch doch immer der Mensch: sein Leben hat immer spezifische Erfordernisse und er hat immer spezifische Vermögen (vor allem die Vernunft), diese Erfordernisse zu erfüllen, auch wenn der Kontext sich wandelt, in dem er das tut.

Ich finde den Begriff Menschenwürde schwierig, weil er so schwammig ist. Ich kenne niemanden, der mir eine präzise Definition geben kann, und die meisten Menschen, die ihn benutzen, haben auch mehr im Gefühl, was das sein soll, als im Verstand. Ich glaube, die Väter des Grundgesetzes haben sich da in erster Linie auf Kant bezogen, aber ich bin unsicher, inwieweit das in der Rechtsprechung überhaupt Berücksichtigung findet.

Ich stimme dir zu, dass rechtliche Bestimmungen von Menschen gemacht sind und selbstverständlich keinen Selbstzweck haben, sondern ihren Zweck darin finden, ein für alle Menschen gedeihliches Zusammenleben zu ermöglichen. Aber das bedeutet eben auch, dass Rechtsbestimmungen nicht nach Belieben sein können, denn ein Zweck lässt sich eben mit bestimmten, nicht mit beliebigen Mitteln erreichen. Das Recht muss sich nach der spezifischen Lebensweise der Spezies Mensch richten, wenn eine Population Menschen unter ihm gedeihen soll — um mal eine etwas platt biologische Metapher zu verwenden.

Ich stimme Dir übrigens zu, dass unser gegenwärtiges Recht im Kern mit der gesellschaftlich akzeptierten Moral übereinstimmt. Die vorherrschende Moral ist eine Variante des Altruismus, der Auffassung, dass der Mensch für andere Menschen leben, ihre Not lindern etc. muss, und nur darin seine eigene Daseinsberechtigung findet. Und wenn der Mensch kein Recht hat, für sich als Individuum zu existieren, sondern sich durch seine Selbstaufopferung anderen gegenüber legitimieren muss, dann gibt es auch keinen Grund, dem Individuum als solchem irgendwelche Rechte zuzusprechen. An die Stelle individueller Rechte treten dann zumeist irgendwelche Kollektivrechte, mit denen irgendwelche Gruppen, die sich als benachteiligt auffassen, Anrechte auf den materiellen Besitz oder die Arbeitskraft anderer Menschen stellen, also ihre Absicht bekunden, diese zumindest teilweise zu versklaven und auszubeuten. Die beliebtesten Opfer sind natürlich diejenigen, die besonders viel leisten und erwirtschaften; aber das Ganze funktioniert auch wunderbar andersherum. Die Herren Wirtschaftskapitäne benutzen auch gerne das Gewaltmonopol, um sich selbst Privilegien gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen, und kennen allerlei Rechtfertigungsstrategien dafür. Wie gesagt, kalter Bürgerkrieg, in dem die staatliche Ordnungsfunktion pervertiert und das Gewaltmonopol instrumentalisiert und missbraucht wird. Die größten Profiteure dabei sind die führenden Politiker, die letztlich vollziehen, was in der Gesellschaft angelegt und gefordert wird, und entscheiden, wer von wem ausgebeutet werden darf… womit die gesamte Gesellschaft zunehmend in die Abhängigkeit der Machthaber gerät, deren Macht immer größer wird, in immer mehr Lebensbereiche vordringt und immer willkürlicher wird…


Add comment March 19, 2008

The Virtue of Patriotism

Note: The following text was published first on my old blog in July of 2006. Since I still consider it to be good and true, I republish it here with only minor changes in wording which I did mostly for the purpose of clarity. I hope you enjoy it.

Due to the Soccer World Cup there has been a lot of talk going on here in Germany recently whether patriotism is a good thing and whether it is legitimate to feel “national pride”. Many people have been very enthusiastic about the new “Deutschlandgefuehl” (”Germany feeling”) and concluded that, finally, the Germans have found their way back to a “healthy” feeling of pride for their country and are no longer too much ashamed for being Germans.

But I certainly would not call patriotism that diffuse, alcohol drenched mob feeling displayed by many youths. I especially remember one instance: I was on my way into the city center when I met a group of primed boys flocking in the street and shouting: “Beat them to death! Beat them to death!” I don’t know whom they referred to–but certainly, this is not what patriotism is about.

This, of course, is an extreme example. In fact, most Germans enjoyed the world cup more or less drunken and peacefully, and I suspect that their “patriotism” had more to do with being fans of the German soccer team. Nonetheless, the German media, from left to right, mostly interpreted it all as Germany’s final return to patriotism. I think they only have a very vague idea what patriotism actually is, if any at all.

Patriotism commonly is understood as “love for the fatherland”. From this point of view patriotism mainly is an emotional disposition. It consists in feeling somehow “proud” of the country you live in. Tragically, most people today have no sufficient idea of their country’s history, ideological makeup, and other things that could lead one to be legitimately proud of it. Instead, their pride is a seemingly causeless sense of “belonging”. Ask people in the street why exactly they are proud of their country. If you can get any answer out of them at all, it will be insignificant. What these people don’t recognize is the fact that patriotism is not merely an emotional, but primarily an intellectual issue. It does not merely consist in feeling “good” about one’s country without giving reasons. One should know what is good about one’s country, and reversely, one also should know what is bad about it–and why. Since “good” and “bad” are value judgments, patriotism thus concerns itself with values, and especially–but not exclusively–with political values.

What is the nature of these values?

Observe, that men do not live in a vacuum. Usually, they live together in a society. While this clearly does not mean that they are the property of a collective, it certainly does not mean either that men live as scattered atoms completely unrelated to each other. Society is not a mere aggregation of individuals, but an integration. Several individuals are integrated into one society by means of a social order–specific cultural, economic and especially political institutions such as e.g. a common language, set of values or national “sense of life”, trade, a common currency, a common government and common laws, and many more that ensure a peaceful and cooperative coexistence of men.

(Please note that a social order conceptually is not quite the same as a social system. Whereas the concept “social system” in Ayn Rand’s definition refers to a set of “moral-political-economic principles [...] which determine the relationships, the terms of association, among the men living in a given geographical area”, the concept “social order” refers to the concrete institutions actually embodying these principles. And, in my opinion, one abstract principle can translate into several, but only slightly varying concrete institutions.)

But since man is a being of a specific nature, not every type of social order is beneficial to him, let alone able to maintain a stable and enduring society. If he creates institutions that embody principles which are contrary to his nature and the demands reality imposes on him, he will see his society slowly fragment, disintegrate and fall apart. If he advocates and puts into practice such doctrines as altruism, statism and dictatorship, his society consequently will break down in bloody warfare sooner or later. Remember that Germany, above all, went through such a nightmare.

Thus, the important thing is to advocate and put into practice the right principles, namely such as by their very nature, when translated into specific institutions, are capable of integrating individuals into a peaceful and cooperative society and of maintaining such an integration: e.g. rational egoism, capitalism and the rule of law, among others.

He, who advocates and strives to put into practice rational principles that work to keep integrated the society he chooses to live in, is a patriot. From this point of view patriotism is a certain attitude towards the social order, an attitude aiming at improving, replacing or abolishing bad institutions and defending good ones. It is a critical attitude and has nothing to do with the “my country right or wrong” approach of chauvinists, who regard as intrinsically good those institutions their society may just happen to have. Neither does it consist of arbitrarily imposing such principles upon one’s society as are conceived by one’s sheer whim. On the contrary, patriotism is about defending that which is objectively good about one’s society, and it is about criticizing and improving that which is objectively bad. Patriotism is value-orientedness in regards to the society one lives in.

Since virtue generally concerns the proper relationship of man to reality, one may classify patriotism as that specific virtue which concerns the proper relationship of the individual to that aspect of reality which is society. More specifically, patriotism is a constitutive part of the virtue of integrity; it is loyalty to rational moral-political-economic principles and the moral ambition to modify the social order of the society one chooses to live in according to these principles. Since men do not live together as unrelated atoms, he, who advocates and puts into practice such principles as are harmful and destructive to the society he lives in, will harm himself in the long run. Such a man does not display a great deal of integrity and has to be considered positively unpatriotic and immoral in proportion to the destructiveness and immorality of the principles he advocates.

What then is required in order to practice the virtue of patriotism?

First, it is necessary for every aspiring patriot to have a basic understanding of how a society works, what policies keep it together, and which destroy it. Every patriotic citizen should aim at acquiring a basic education in economics (i.e. how wealth is created on a free market by voluntary and mutual cooperation to mutual benefit, and how socialist and interventionist policies produce an institutionalized “cold civil war” ultimately leading to impoverishment and destruction), political philosophy (i.e. what rights are, what the nature and purpose of government is, and how its different branches work), moral philosophy (i.e. why human flourishing requires the recognition of individual rights, the practice of certain virtues and the rejection of mysticism, altruism, statism and other corrupt theories), and history (i.e. how specific ideas and principles worked in practice in the past, whether they resulted in human florishing or decay). Second, every aspiring patriot should keep himself informed, not about every occurrence, but about the general trends of development and most important issues his society is affected by. After having acquired such knowledge, recognized such trends and analyzed such issues, it is necessary for him to take action by speaking his mind and pronouncing judgment whenever it is necessary, i.e. whenever silence could be taken as agreement with or sanction of evil and destructive principles (for details, see Ayn Rand: “How Does One Lead a Rational Life in an Irrational Society?” in: The Virtue of Selfishness, Signet: New York 1984, pps.82-86). In this respect, it is very important to have a proper and just evaluation of major politicians, especially if they run for office in an election campaign, and then act accordingly (good examples of how to judge politicians are provided by Ayn Rand in: Ayn Rand Answers, ed. Robert Mayhew, New American Library: New York 2005, pps.58-71).

Of course, being a patriot requires courage, independence, justice, honesty and many more of man’s virtues. This is just another illustration of the fact that one cannot practice any one virtue as isolated from all the others. Indeed, such comportment would undermine the practice of all virtues. Thus, only a fully virtuous person can be a genuine patriot, and only a genuine patriot can be a fully virtuous person.


4 comments November 6, 2007


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